Leipzig-Schönefeld (Männer)

Neben dem bereits existierenden Frauenaußenlager Leipzig-Schönefeld richtete die SS ein gesondert eingegrenztes Barackenlager ein, in dem ab November 1944 bis zu 550 ungarische und polnische Juden sowie Franzosen und Italiener untergebracht wurden. Auch sie mussten für die Hugo Schneider AG (HASAG) Zwangsarbeit leisten. Mindestens vier Männer kamen ums Leben, weitere wurden als „nichteinsatzfähig“ zurück in das Stammlager Buchenwald gebracht. Im April trieb die SS die verbliebenen 5.800 Frauen und Männer aus den beiden Außenlagern in Leipzig-Schönefeld sowie weiteren bereits geräumten Außenlagern auf Todesmärsche in Richtung Osten. Genaue Informationen zur Räumung des Männeraußenlagers liegen bisher nicht vor.

Historische Situation

Gegründet

24. November 1944

Aufgelöst

13./14. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

550

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Ausstellung, Gedenktafel, Informationstafel

Anmerkungen zum Standort

1970 wurde ein erster Gedenkstein in Erinnerung an das Frauen-Außenlager „HASAG Leipzig“ errichtet, gegenüber dem ehemaligen HASAG-Werksgelände und etwa zwei Kilometer vom Lagergelände entfernt. Die Initiative ging von der Leipziger Bezirkskommission für Angelegenheiten der Verfolgten des Naziregimes (VdN) und des Stadtbezirks Nord-Ost aus. Dieser Gedenkstein war insbesondere nach 1990 zentraler Anlaufpunkt für Überlebende der KZ-Außenlager. 2009 konnte am historischen Standort in der Kamenzer Straße erstmals eine Tafel errichtet werden. Dies war möglich durch das Engagement von verschiedenen Initiativen und Einzelpersonen, v. a. durch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Leipzig (VVN-BdA) und die Gruppe „Gedenkmarsch zur Erinnerung an das KZ-Außenlager und die Opfer der Todesmärsche“. Am 12. Juli 2022 weihten die Stadt Leipzig, das Kulturamt und die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig am Standort des ehemaligen KZ-Außenlagers „HASAG Leipzig“ eine Gedenkstele ein. Sie informiert über das Lager und die Gefangenen, die Zwangsarbeit im Rüstungskonzern HASAG und den Alltag im KZ-Außenlager.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erinnert am authentischen Ort an die Opfer, das Unrecht und die Geschichte des NS-Zwangsarbeitseinsatzes im Raum Leipzig und dessen Folgen. Am Standort der HASAG, dem ehemals größten Rüstungsbetrieb Sachsens, erinnert sie exemplarisch an den Arbeitseinsatz tausender ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkriegs im städtischen Raum.

Die Gedenkstätte ist Ansprechpartnerin und Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Angehörige. Sie nimmt Anfragen nach ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und Orten der NS-Zwangsarbeit entgegen, bearbeitet diese und erteilt Auskünfte.

Die Gedenkstätte sammelt Dokumente ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Reproduktionen aus anderen Archiven. Die Sammlungen stellen eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung von Anfragen und für die wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung von NS-Zwangsarbeit in Leipzig dar. Die Gedenkstätte unternimmt Nachforschungen in anderen Archiven und unterstützt Schülerinnen und Schüler, Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Forschungen.

Mit einer Dauerausstellung und Führungen informiert die Gedenkstätte vor Ort über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Leipzig und bei der HASAG. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, bestehend aus Stadtteilrundgängen, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen an verschiedenen Orten in Leipzig, möchte die Gedenkstätte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt Leipzig während der Zeit des Nationalsozialismus anregen, fördern und vertiefen.

Mit ihren Bildungsangeboten möchte die Gedenkstätte Interessierte für das während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht sensibilisieren, ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern sowie Reflexionen in Bezug auf die Gegenwart und die Auseinandersetzung mit heutigen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Antiromaismus und anderen menschenverachtenden Einstellungen anregen.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig wurde 2001 eröffnet. Sie war deutschlandweit die erste Einrichtung, die sich explizit dem Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus widmete.

Bereits zu DDR-Zeiten hatte es von Seiten ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Initiativen zum Aufbau einer Gedenkstätte gegeben. Doch erst nach 1990 verstärkten sich die Bestrebungen. Den Anstoß zur Errichtung einer Gedenkstätte am authentischen Ort gab letztlich der Besuch einer Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen bei der Geschäftsleitung des Umweltforschungszentrums. Vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Ende der 1990er Jahre konnte der Förderverein – unter Vorsitz von Frau Charlotte Zeitschel – mit der Unterstützung durch das Umweltforschungszentrum, die Gedenkstätte Buchenwald sowie viele engagierte Einzelpersonen den Aufbau einer Gedenkstätte vorantreiben.

Im Mai 2000 bekannte sich die Stadt Leipzig in einer Ratsresolution zu ihrer historischen Verantwortung und verabschiedete ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dieses sah neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung die Einrichtung einer Gedenkstätte vor. Am 12. Dezember 2001 wurde die Gedenkstätte im Beisein ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter feierlich eröffnet.

Autor*in: Anne Friebel

Kontakt

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig Permoserstraße 15 04318 Leipzig

0341 2352075 info@zwangsarbeit-in-leipzig.de

Aktuelle Dokumente

Gedenkstein an der Permoserstraße, 2018 © GfZL
Die 2009 von zivilgesellschaftlichen Initiativen errichtete Gedenktafel, 2022 © GfZL
Gedenk- und Informationsstele, 2022 © GfZL

Weiterführende Informationen

Informationen zum KZ-Außenlager „HASAG Leipzig“ und zur Erinnerung nach 1945: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/ns-zwangsarbeit/kz-aussenlager-hasag-leipzig Virtueller 360°-Rundgang zum KZ-Außenlager „HASAG Leipzig“: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/karte/841 Broschüre: KZ-Außenlager "HASAG Leipzig" - Größtes Frauenaußenlager des KZ Buchenwald herausgegeben von der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, 2021 https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/fileadmin/Dateien/ns_zwangsarbeit/KZ-Aussenlager__HASAG_Leipzig_/Broschuere__KZ-Aussenlager_HASAG_Leipzig_2.0.pdf Audiofeature: Überleben und Widerstand im KZ-Außenlager "HASAG Leipzig" https://www.mixcloud.com/GfZL/%C3%BCberleben-und-widerstand-im-kz-au%C3%9Fenlager-hasag-leipzig/ Audiofeature: Neonazitreffpunkt statt würdiges Gedenken - Zur Nachnutzung des ehemaligen KZ-Außenlagers "HASAG Leipzig" https://www.mixcloud.com/GfZL/neonazitreffpunkt-statt-w%C3%BCrdiges-gedenken-zur-nachnutzung-des-ehem-au%C3%9Fenlagers-hasag-leipzig/

Termine

Informationen zu den Terminen finden sich auf der Website der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/veranstaltungen

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

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