Tröglitz/Rehmsdorf
Im Mai 1944 brachten Luftangriffe das Tröglitzer Treibstoffwerk der Braunkohle-Benzin-AG (BRABAG) zum Erliegen. Für Bau- und Räumarbeiten errichtete die SS ein Männeraußenlager. Die ersten 200 KZ-Häftlinge kamen am 4. Juni 1944 in Gleina an. Bis Herbst folgten etwa 5.200 jüdische Häftlinge aus dem KZ Auschwitz-Birkenau. In dem knapp elfmonatigen Bestehen durchliefen etwa 6.600 Männer das Lager. Vor Ort starben mindestens 926 Männer. Tausende Kranke wurden für das Sterbelager Bergen-Belsen oder für die Ermordung in Auschwitz-Birkenau selektiert. In der Nacht vom 6. zum 7. April 1945 wurden die verbleibenden Häftlinge in Kohlewaggons in das Außenlager Leitmeritz (Litoměřice) des KZ Flossenbürg abtransportiert. Am 12. April, nach fast einwöchiger Irrfahrt, erreichte der Zug das nur 100 Kilometer entfernte Pockau-Lengefeld. Bereits hier waren 144 Menschen verstorben. Nach einem Fluchtversuch bei Reitzenhain und einer anschließenden Hetzjagd wurden weitere etwa 380 Menschen durch SS-Männer und örtliche Einwohner ermordet. Im Außenlager Leitmeritz wurde eine Trennung in jüdische und nichtjüdische KZ-Häftlinge vorgenommen und die jüdischen Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch nach Theresienstadt gezwungen, der mindestens weitere 354 Opfer forderte.
Historische Situation
Gegründet
4. Juni 1944
Aufgelöst
7. April 1945
Seit 1939 betrieb die Brabag in Tröglitz ein Treibstoffwerk. Ab dem 12. Mai 1944 brachten Bombenangriffe der Alliierten die Arbeit im Werk zum Erliegen. Um die Anlage wieder in Gang zu bringen, forderte die Brabag KZ-Häftlinge zum Einsatz in ihren Betrieben beim SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) an. Am 4. Juni 1944 kamen die ersten Häftlinge nach Tröglitz.
Häftlinge
Männerlager
Maximale Anzahl der Häftlinge
5.000
Gedenkzeichen
Art des/der Gedenkzeichen(s)
Ausstellung, Informationstafel, Mahnmal
Anmerkungen zum Standort
Auf dem ehemaligen Lagergelände können noch zwei der Häftlingsbaracken besichtigt werden. Weitere Baracken wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Seit September 1946 erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Rehmsdorf an die Opfer des Außenlagers. Im Oktober 1963 wurde auch im Ort ein Denkmal errichtet. Hier finden jährlich Gedenkveranstaltungen statt. Seit 2005 erinnert eine Ausstellung in der Heimatstube Rehmsdorf im „Bürgerhaus“ an das Außenlager und seine Opfer.
Gedenkstätte KZ-Außenlager „Wille“ Rehmsdorf/Tröglitz
Zur mahnenden Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurde auf dem Friedhof in Rehmsdorf schon im Jahr 1946 ein kleines Gedenkareal geschaffen, das 1948 erweitert wurde. In der Folgezeit wurden dort regelmäßige Gedenkveranstaltungen gehalten. Um den Bezug zum ehemaligen KZ-Lager auch räumlich stärker herzustellen, wurde 1963 ein Denkmal auf einer direkt an den Barackenbereich angrenzenden Fläche gegenüber dem Bahnhofsgebäude von Rehmsdorf errichtet.
Es gab jedoch lange Zeit außer einer wissenschaftlichen Arbeit aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts praktisch keine gesicherten historischen Erkenntnisse über das Lager und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der KZ-Häftlinge. Daher beschloss der im Jahr 1972 zum Ortschronisten berufene Lothar Czoßek, auch diesen Teil der Ortsgeschichte aufzuarbeiten und zu erforschen. Seine Ausarbeitungen in verschiedenen Druckschriften stellen bis heute die wesentlichen Ergebnisse der geschichtlichen Forschung zu den KZ-Lagern bei Zeitz dar und werden dazu auch in der Fachliteratur zitiert.
Mit der Öffnung der Grenzen nach der Wende erfolgten dann zahlreiche Besuche von Überlebenden und Angehörigen von KZ-Häftlingen und damit auch eine intensive Form der Verständigungsarbeit durch Lothar Czoßek. Zugleich gab es anhand von Erfahrungs- und Erlebnisberichten anlässlich solcher Besuche und Kontakte eine Vielzahl weitergehender Erkenntnisse und historischer Quellen, die in eine von Lothar Czoßek angelegte, umfangreiche Dokumentation mündeten. Für Besuchsinformationen schuf Lothar Czoßek dann zunächst einen Ausstellungsteil in den 1987 eröffneten Räumen der Heimatstube. Daraus ergab sich später die 2005 von ihm konzipierte und eingerichtete Dauerausstellung über das KZ-Außenlager im Bürgerhaus in der Ortsmitte von Rehmsdorf.
Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Lothar Czoßek 2011 der Europäische Bürgerpreis des Europäischen Parlaments verliehen, und 2013 wurde er mit dem Obermayer German Jewish History Award ausgezeichnet, einer Ehrung für Bürgerinnen und Bürger, die einen besonderen und herausragenden Beitrag zur Wahrung der jüdischen Geschichte in ihrer Heimatregion leisten.
Das ehemalige Barackenlager ist nach dem Krieg zunächst als Auffanglager für Ausgesiedelte und Vertriebene genutzt worden. Danach wurden die sehr massiv gebauten Baracken zur Wohn- und gewerblichen Nutzung veräußert und durch An- und kleinere Ergänzungsbauten ergänzt. Von den ursprünglich 1944 errichteten Baracken ist lediglich eine Häftlingsbaracke noch während des Krieges bei einem Bombenangriff zerstört worden – alle anderen baulichen Anlagen sind in ihrer Grundsubstanz bis heute erhalten. Auch die Grundrissstruktur der Barackenanlage mit dem Appellplatz und der Zufahrtsstraße ist noch heute erkennbar.
Mit den zunehmenden Besucher*innenzahlen stieg zugleich das Interesse am Besuch der ehemaligen Barackenanlage, und ab 2009 ergab sich die Gelegenheit für die Gemeinde Elsteraue, zwei Baracken für die Gedenkstätte zu erwerben. Eine der Baracken wurde baulich für Besuchsmöglichkeiten hergerichtet und gibt jetzt mit einer Nachbildung einer Bettstellage einen anschaulichen Eindruck der Lebensumstände der KZ-Häftlinge. Bei der zweiten Baracke droht allerdings der Verfall, wenn keine baulichen Erhaltungsmaßnahmen ergriffen werden.
Das gesamte Lagerareal untersteht als Baudenkmal den denkmalrechtlichen Schutzvorschriften. Die (nachrichtliche) Eintragung in das Denkmalverzeichnis erfolgte am 29. Februar 2016. In den Vorbereitungsmaterialien zur Denkmalausweisung vom 28. April 2015 wird dazu für die hohe Schutzwürdigkeit auch als „Alleinstellungsmerkmal“ als Denkmal ausgeführt: eine „klar erhaltene Gesamtstruktur des Lagerareals. Diese Form der kompakten Geschlossenheit und strukturellen Ganzheit eines KZ-Außenlagers ist für Sachsen-Anhalt (und darüber hinaus) nahezu einzigartig.“ Und hinsichtlich aller noch vorhandenen Baracken bzw. Bauten wird auf vier Baracken in weitgehend ursprünglichem Zustand verwiesen, die „als Orte des Leidens der Häftlinge“ besonders schutzwürdig sind, wozu auch die vom Verfall bedrohte Baracke gehört.
Autor*in: Detlev Lutz
Kontakt
Gedenkstätte KZ-Außenlager „Wille“ Rehmsdorf/Tröglitz Brunnenplatz 5 06729 Elsteraue
03441 226477 gedenkstaette-rehmsdorf@gemeinde-elsteraue.de www.gemeinde-elsteraue.de
Hinweise zum Besuch
Die Außenanlagen (Mahnmal am Bahnhof, Barackenareal mit Appellplatz) sind frei zugänglich.
Alle Informationen über das KZ-Außenlager und auch Führungen mit Erläuterungen erhalten Sie im Ausstellungsbereich der Gedenkstätte im Bürgerhaus Rehmsdorf (Brunnenplatz 5), von wo aus auch geführte Besuche in das Barackenlager erfolgen.
Die Besuchszeiten werden auf der Internetseite der Gemeinde Elsteraue bekannt gegeben; auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten können Termine per E-Mail oder telefonisch vereinbart werden.
Termine
Regelmäßig erfolgt zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, die Gedenkveranstaltung mit dem Landrat des Burgenlandkreises am Mahnmal in Rehmsdorf.
Kontakt zum Förderverein Buchenwald
Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:
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