Wewelsburg
Nach den Planungen des Reichsführers-SS Heinrich Himmler sollte das 1934 von ihm gepachtete Renaissance-Schloss Wewelsburg zu einem elitären Versammlungsort für höhere SS-Führer umgestaltet werden. Für Ausbau und Renovierung wurden seit Mai 1939 KZ-Häftlinge eingesetzt, zunächst in einem Außenkommando, später einem Außenlager des KZ Sachsenhausen. Von September 1941 bis April 1943 existierte das eigenständige KZ Niederhagen, in dem mindestens 1.285 Menschen starben. Ab Mai 1943 wurde das Lager aufgelöst, doch knapp 50 Männer blieben in Wewelsburg. Dieses „Restkommando“ wurde dem KZ Buchenwald zugeordnet. 42 von ihnen wurden am 2. April 1945 von der US-Armee befreit.
Historische Situation
Gegründet
3. Mai 1943
Aufgelöst
2. April 1945
Häftlinge
Männerlager
Maximale Anzahl der Häftlinge
50
Gedenkzeichen
Art des/der Gedenkzeichen(s)
Ausstellung, Informationstafel, Mahnmal
Anmerkungen zum Standort
Seit 1982 gibt es eine Gedenkstätte im Kreismuseum Wewelsburg, die an die Geschichte des Konzentrationslagers und der Häftlinge erinnert. Am 2. April 2000 wurde ein Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz eingeweiht. Die neu konzipierte Dauerausstellung in der Gedenkstätte („Ideologie und Terror der SS“) mit zahlreichen Originaldokumenten und Objekten (z. B. Häftlingskleidung, Barackenteile) wurde im April 2010 eröffnet. Auf dem ehemaligen Lagergelände steht noch heute der Baukomplex der ehemaligen Häftlingsküche. Ein Teil dieses Gebäudes wurde 2018 durch das Kreismuseum Wewelsburg angekauft und bis 2021 bauhistorisch untersucht und restauriert. Als Teil der Gedenkstätte wird dort über die Geschichte des Konzentrationslagers und seine Nachnutzung als Lager für Geflüchtete und Vertriebene nach 1945 informiert.
Kreismuseum Wewelsburg
Gedenkstätte
Das Kreismuseum Wewelsburg unterhält seit 1982 eine Gedenkstätte, in der an die Geschichte des Konzentrationslagers Niederhagen und die dort inhaftierten, gequälten und ermordeten Menschen erinnert wird.
In der auf dem ehemaligen Lagergelände errichteten Wohn- und Gewerbesiedlung, die sich aus dem in den Lagergebäuden eingerichteten Flüchtlingslager entwickelte, gab es zunächst kein Bewusstsein für die Bewahrung der Gebäude aus der NS-Zeit. Ein Holzkreuz, das kurz nach Kriegsende vor dem Lagergelände aufgestellt wurde, verschwand nach einigen Jahren wieder. Erst Ende der 1980er Jahre wurde die Frage nach dem Umgang mit den erhaltenen Gebäuden aus der KZ-Zeit aufgeworfen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Wohnsiedlung lehnten eine Kenntlichmachung der historischen Gebäude in ihrer Nachbarschaft ab. Zwar wurde der Appellplatz unter Denkmalschutz gestellt, doch ein Gedenken an die Opfer der SS-Gewalt fand bis 2000 lediglich in der Gedenkstätte im ehemaligen Wachgebäude der SS vor dem Schloss statt.
Eine 1965 im Innenhof des Schlosses angebrachte Gedenktafel der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wurde 1973 aufgrund von Protesten entfernt. Ein 1950 im Nordturm des Schlosses eingerichtetes Mahnmal mit dem zehnteiligen Gemäldezyklus des Bürener Künstlers Josef Glahé wurde 1975 ebenfalls entfernt. In der Folge erhob sich öffentlicher Protest gegen das Verdrängen der Vergangenheit. Die Ablehnung eines SPD-Antrags im Paderborner Kreistag zur Errichtung eines Mahnmals in Wewelsburg löste 1976 den „Paderborner Mahnmalsstreit“ und ein bundesweites Medienecho aus und führte 1982 zur Einrichtung der Gedenkstätte im ehemaligen Wachgebäude der SS. Die Gedenkstätte wurde 2010 mit der neuen Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ grundlegend neu konzipiert und erweitert. Neben der Information über das KZ Niederhagen und das Schicksal der dort inhaftierten und ermordeten Häftlinge bilden die Darstellung der Organisation und Ideologie der SS insgesamt sowie Wewelsburgs als Täterort weitere Schwerpunkte.
2016 wurde die ehemalige Häftlingsküche des Konzentrationslagers als einer der wenigen noch stehenden Lagerbauten komplett unter Denkmalschutz gestellt. Der Kreis Paderborn erwarb das Gebäude, ließ es denkmalgerecht restaurieren und richtete den GeDenkOrt ein. In der dortigen Ausstellung wird der Geschichte des Gebäudes und des Lagergeländes sowie den dort früher lebenden Menschen nachgegangen. Die verschiedenen Formen der Zwangsmigration, die sich am Beispiel Wewelsburg nachweisen lassen, werden ausführlich erörtert. Damit kann nun historisch-politische Bildungsarbeit auch auf dem ehemaligen Lagergelände durchgeführt werden.
Mahnmal:
Als sich 1988 die Frage nach der Neugestaltung des ehemaligen KZ-Appellplatzes stellte, bildete sich eine Bürgerinitiative gegen ein Gedenken auf dem ehemaligen Lagergelände. Angestoßen wurde die Diskussion durch ein internationales Workcamp, das von der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste e. V. und dem Kreismuseum Wewelsburg am ehemaligen SS-Schießstand durchgeführt wurde. Zeitgleich diskutierten Teile der Dorfbevölkerung mit der Museumsleitung, Denkmalpflegern und Lokalpolitikern in mehreren Bürgerversammlungen über die zukünftige Gestaltung des ehemaligen Appellplatzes. Die Kompromisslösung sah schließlich eine schlichte Herrichtung des Appellplatzes vor, allerdings noch immer kein Mahnmal. Die 1992 beim ersten Treffen von Überlebenden des Konzentrationslagers in Wewelsburg gestellte Forderung nach einem Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz blieb unbeantwortet.
1998 gründeten junge Erwachsene aus Wewelsburg die Initiative „Gedenktag 2. April“. Sie wollten an die Opfer des KZ Niederhagen/Wewelsburg erinnern, ohne die ältere Generation anzuklagen oder ihr Schuld zuzuweisen. Zusammen mit der Museumsleitung luden sie die Überlebenden ein und initiierten Gespräche zwischen diesen und ihren Familien. Es gelang ihnen, zusammen mit einer Projektgruppe von Kunststudierenden der Universität Paderborn ein Mahnmal zu gestalten, das als dauerhaftes Erinnerungszeichen auf dem ehemaligen Appellplatz am 2. April 2000 mit großer öffentlicher Anteilnahme eingeweiht werden konnte.
Aus der Initiative wurde anschließend der Verein „Gedenktag 2. April in Wewelsburg – Verein wider das Vergessen und für Demokratie e. V.“. Zusammen mit dem Kreismuseum und mit Unterstützung der Stadt Büren und den örtlichen Kirchengemeinden führt der Verein seitdem Gedenkfeiern für die Opfer der NS-Verbrechen und vielfältige Veranstaltungen zur Demokratiestärkung durch. Die Gedenkfeier wird stets von einer Gruppe von Jugendlichen maßgeblich mitgestaltet.
Autor*in: Kirsten John-Stucke, Erik Beck, Dina Peppmöller und Peter Kunze
Hinweise zum Besuch
Öffnungszeiten Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945:
Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 10–18 Uhr
Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung!
Geschlossen: Montags, Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr
Öffnungszeiten GeDenkOrt, Ahornstr. 2, jeden 3. Samstag im Monat von 14 – 17 Uhr
In der Gedenkstätte ist der Eintritt kostenfrei. Entgelt für öffentliche Führungen: 3 € pro Person
Für Informationen zu Gruppen- und Bildungsangeboten informieren Sie sich bitte auf www.wewelsburg.de
Sie möchten die Gedenkstätte besuchen oder ein Bildungs- bzw. Gruppenangebot buchen?
Wir beraten Sie gerne:
Montag - Freitag: 8.00 – 12.30 Uhr
Dienstag - Donnerstag: 13.30 – 16.00 Uhr
Tel. 02955 7622-0
Fax 02955 7622-22
info@wewelsburg.de
Gedenktag 2. April in Wewelsburg – Verein wider das Vergessen und für Demokratie e.V.
Aktuelle Dokumente
Weiterführende Informationen
Bildungsangebote: www.wewelsburg.de/de/gedenkstaette-1933-1945/bildungsangebote
Digitaler Rundgang GeDenkOrt: my.mpskin.com/de/tour
Termine
Mahnveranstaltung am 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Die Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Befreiung der Häftlinge in Wewelsburg findet jährlich am 2. April am Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz in der Ahornstraße statt.
Öffentliche Führungen in der Gedenkstätte jeden 2. und 4. Sonntag im Monat von 15 – 17 Uhr
Öffnungszeiten GeDenkOrt, Ahornstr. 2, jeden 3. Samstag im Monat von 14 – 17 Uhr
Kontakt zum Förderverein Buchenwald
Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:
Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar
03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de
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