Berlstedt

Die SS gründete Ende April 1938 die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST), um Baumaterialien für zahlreiche geplante Großbauprojekte produzieren zu lassen. Dafür mussten Buchenwalder Häftlinge ab Mai 1938 ein Klinkerwerk im 13 Kilometer entfernten Berlstedt errichten. Anfang noch als Marschkolonne wurde ab Februar 1939 das Männeraußenlager auf dem Werksgelände eröffnet und bis zu 270 Häftlinge wurden dauerhaft vor Ort untergebracht. Mindestens drei Männer kamen laut SS-Unterlagen ums Leben. Am 4. April ließ die SS das Außenlager räumen und brachte die verbliebenen 200 Männer zurück in das Hauptlager Buchenwald, wo in den darauffolgenden Tagen viele von ihnen auf weitere Todesmärsche getrieben wurden.

Historische Situation

Gegründet

5. Februar 1939

Aufgelöst

4. April 1945

Das Lager bestand ab Mai 1938 in Form eines Kommandos von Häftlingen aus dem KZ Buchenwald, die für den Aufbau des Klinkerwerks und der Baracken täglich nach Berlstedt marschieren mussten. Ab Februar 1939 wurden Häftlinge dauerhaft in Berlstedt untergebracht.

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

270

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Ausstellung, Gedenktafel, Informationstafel, Mahnmal

Anmerkungen zum Standort

Alle festen Gebäude des ehemaligen Außenlagers (das Ziegelwerk mit Nebengebäuden, ebenso die Wachbaracke am Eingang) sind erhalten und werden heute gewerblich genutzt. Die Ausdehnung und Fläche des ehemaligen Lagers lässt sich gut nachvollziehen, da die Wegeführung auch in Beziehung zum Dorf unverändert geblieben ist, keine Überbauung der früheren Eingrenzung erfolgte und außerdem Reste der Einzäunung an der Süd- und der Ostseite des Geländes erhalten sind.

Ortschronisten-Gruppe Berlstedt

Die Ortschaft Berlstedt hat 1749 Einwohner (Stand 2021) und ist Sitz der Gemeindeverwaltung Am Ettersberg. Nach der Ersterwähnung im Jahr 876 folgten auch hier Jahrhunderte wechselvoller Geschichte. Diese wird seit 1955 durch verdienstvolle Ortschronisten wie z. B. Horst Hintze und Bruno Fiedler sowie den Mitstreitern der Berlstedter Heimatstuben ehrenamtlich erforscht und verwahrt.

Das dunkelste Kapitel der Ortsgeschichte begann 1938. Auf Veranlassung der SS wurde von Häftlingen des ca. 6 km entfernten KZ Buchenwald als Außenlager ein Klinkerwerk zur Ziegelherstellung errichtet. Hier mussten bis April 1945 ca. 200 Häftlinge in schwerster körperlicher Arbeit Tonziegel für die „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ herstellen.

Diese Geschehnisse waren den Einwohnern Berlstedts bekannt, außerdem arbeiteten 12 Zivilangestellte aus Berlstedt und Umgebung im Klinkerwerk. Nach der Befreiung des Lagers wurden auf Anfrage des Lagerkomitees Buchenwald eine Reihe von Pferdewagen mit Milch und Butter sowie Tankwagen mit frischem Trinkwasser als dringend benötigte erste Hilfe ins KZ auf dem Ettersberg gesandt.

Über die nachfolgenden Jahre sollte die Erinnerung an die Zeit des Schreckens nicht verloren gehen. Bereits 1964 wurde auf dem Gelände der Polytechnischen Oberschule Berlstedt ein Platz für mahnendes Gedenken errichtet. Neben einer Betonsäule des ehemaligen Lagerzaunes kündete eine Schrifttafel vom Ort des Geschehens. Die Baulichkeiten auf dem Gelände des ehemaligen Klinkerwerks wurden über Jahrzehnte von verschiedenen Firmen und Einrichtungen genutzt, sind in ihrer Grundsubstanz allerdings unübersehbar. Aufgrund dieses Vorhandenseins wurde in den Berlstedter Heimatstuben die Einrichtung einer Dauerausstellung zum Außenlager geplant und unter Federführung von Frau Heidi Bube realisiert. Besonders hervorzuheben hierbei ist die Mitwirkung von den noch erreichbaren Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der Bevölkerung. In zahlreichen Gesprächsrunden, Ortsbegehungen und persönlichen Befragungen konnten ihre Erinnerungen in Bild und Ton aufgezeichnet und so erhalten werden. Dazu kamen die Spenden seltener Erinnerungsstücke, die den Besucherinnen und Besuchern der Heimatstuben einen bildhaften und greifbaren Zugang bieten.

Die Nähe zu Weimar ist für die Arbeit der Berlstedter Heimatstuben positiv hervorzuheben: Zur dortigen Bauhaus-Universität bestehen enge Kontakte, was sich in wiederkehrenden Projekten und ausführlichen Besuchen von Seminargruppen der jeweiligen Jahrgänge widerspiegelt. In diesem Zusammenhang fällt vor allem das regelmäßige Erstaunen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, wenn sie den noch vorhandenen Zeugnissen des Außenlagers gegenüberstehen.

Schließlich gelang es wiederum Frau Heidi Bube und der von ihr angeleiteten Arbeitsgruppe 2025, eine beispielhafte Aufarbeitung des oben erwähnten Gedenkplatzes zu bewirken. In dreijähriger, aufwendiger Kleinarbeit gegen alle nur denkbaren wie auch unerwarteten Hindernisse wurden zwei professionell gestaltete Info-Tafeln in wetterfester Ausführung installiert. Damit hat das Erinnern an das Außenlager Berlstedt eine würdige Darstellung gefunden.

Autor*in: Bernd Grüttner

Kontakt

Ortschaftsbürgermeister Berlstedt z. Hd. Ortschronisten-Gruppe Hauptstr. 24 99439 Am Ettersberg

ortschronik-berlstedt@web.de

Hinweise zum Besuch

Heimatstuben mit Ausstellung geöffnet

mittwochs von 16 – 18 Uhr oder nach Vereinbarung per Mail

Heimatstuben, Gelände des ehemaligen Außenlagers und Gedenkplatz an der Hauptstraße Berlstedt Richtung Erfurt nacheinander zu finden.

Historische Dokumente

Zwei Jungpioniere machen den Jungpioniergruß vor einer Gedenkplakette.
Gedenkplatz, 1964 © Ortschronisten-Gruppe Berlstedt

Aktuelle Dokumente

Ausstellung in den Heimatstuben, 2026 © B. Grüttner
Gedenkplatz mit Info-Tafeln, 2025 © B. Grüttner

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
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oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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