Böhlen

Das Männeraußenlager Böhlen wurde Ende Juli 1944 mit 1.000 meist osteuropäischen KZ-Häftlingen eingerichtet. Sie wurden im Auftrag der Braunkohle-Benzin AG (Brabag) zu Bunkerbau-, Räum- und Bauarbeiten gezwungen. Es lassen sich acht Todesfälle nachweisen. Zudem wurden dauerhaft kranke Männer zurück nach Buchenwald gebracht, die meisten von ihnen starben dort kurze Zeit später. Das Außenlager wurde Ende November 1944 aufgelöst und die Häftlinge für ein Untertageverlagerungsvorhaben nach Königstein im Elbsandsteingebirge verlegt.

Historische Situation

Gegründet

25. Juli 1944

Aufgelöst

28. November 1944

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.000

Gedenkzeichen

Anmerkungen zum Standort

Der vermutliche ehemalige Standort des Lagers wurde in den 1970er Jahren mit Industrieanlagen überbaut. Es befinden sich mehrere Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus in Böhlen, an denen jedoch nicht explizit die KZ-Häftlinge des Außenlagers genannt werden. Am ehemaligen Standort erinnert heute nichts mehr an die Existenz des Außenlagers.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erinnert am authentischen Ort an die Opfer, das Unrecht und die Geschichte des NS-Zwangsarbeitseinsatzes im Raum Leipzig und dessen Folgen. Am Standort der HASAG, dem ehemals größten Rüstungsbetrieb Sachsens, erinnert sie exemplarisch an den Arbeitseinsatz tausender ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkriegs im städtischen Raum.
Die Gedenkstätte ist Ansprechpartnerin und Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Angehörige. Sie nimmt Anfragen nach ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und Orten der NS-Zwangsarbeit entgegen, bearbeitet diese und erteilt Auskünfte.

Die Gedenkstätte sammelt Dokumente ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Reproduktionen aus anderen Archiven. Die Sammlungen stellen eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung von Anfragen und für die wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung von NS-Zwangsarbeit in Leipzig dar. Die Gedenkstätte unternimmt Nachforschungen in anderen Archiven und unterstützt Schülerinnen und Schüler, Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Forschungen.

Mit einer Dauerausstellung und Führungen informiert die Gedenkstätte vor Ort über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Leipzig und bei der HASAG. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, bestehend aus Stadtteilrundgängen, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen an verschiedenen Orten in Leipzig, möchte die Gedenkstätte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt Leipzig während der Zeit des Nationalsozialismus anregen, fördern und vertiefen.

Mit ihren Bildungsangeboten möchte die Gedenkstätte Interessierte für das während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht sensibilisieren, ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern sowie Reflexionen in Bezug auf die Gegenwart und die Auseinandersetzung mit heutigen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Antiromaismus und anderen menschenverachtenden Einstellungen anregen.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig wurde 2001 eröffnet. Sie war deutschlandweit die erste Einrichtung, die sich explizit dem Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus widmete.

Bereits zu DDR-Zeiten hatte es von Seiten ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Initiativen zum Aufbau einer Gedenkstätte gegeben. Doch erst nach 1990 verstärkten sich die Bestrebungen. Den Anstoß zur Errichtung einer Gedenkstätte am authentischen Ort gab letztlich der Besuch einer Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen bei der Geschäftsleitung des Umweltforschungszentrums. Vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Ende der 1990er Jahre konnte der Förderverein – unter Vorsitz von Frau Charlotte Zeitschel – mit der Unterstützung durch das Umweltforschungszentrum, die Gedenkstätte Buchenwald sowie viele engagierte Einzelpersonen den Aufbau einer Gedenkstätte vorantreiben.

Im Mai 2000 bekannte sich die Stadt Leipzig in einer Ratsresolution zu ihrer historischen Verantwortung und verabschiedete ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dieses sah neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung die Einrichtung einer Gedenkstätte vor. Am 12. Dezember 2001 wurde die Gedenkstätte im Beisein ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter feierlich eröffnet.

Autor*in: Anne Friebel

Kontakt

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig Permoserstraße 15 04318 Leipzig

info@zwangsarbeit-in-leipzig.de

Termine

Mehrmals jährlich finden Fahrradtouren zu den Orten der NS-Zwangsarbeit um Böhlen statt. Informationen zu den Terminen finden sich auf der Website der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/veranstaltungen

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

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