Essen (Humboldtstraße)
Ende August 1944 reiste eine Delegation der Friedrich Krupp AG in das Frauenaußenlager Gelsenkirchen, um dort 520 ungarische Jüdinnen für die Zwangsarbeit in der Essener Gussstahlfabrik auszusuchen. Während des Winters mussten sie jeden Tag sieben Kilometer von der Humboldtstraße durch Essen zum Werk marschieren. Vor Ort sind sechs Todesfälle dokumentiert. Am 17. März 1945 wurden die verbliebenen Frauen und Männer aus dem Essener Männeraußenlager sowie den Außenlagern in Bochum in das Hauptlager Buchenwald deportiert. Die Frauen wurden weiter in das KZ Bergen-Belsen deportiert, wo 506 Frauen am 25. März 1945 eintrafen.
Historische Situation
Gegründet
24. August 1944
Aufgelöst
17. März 1945
Das Lager wurde bereits 1943 als Unterkunft für französische Zivilarbeiter, Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion und italienische Militärinternierte genutzt. Ende August 1944 trafen die ersten KZ-Häftlinge ein.
Häftlinge
Frauenlager
Maximale Anzahl der Häftlinge
520
Gedenkzeichen
Art des/der Gedenkzeichen(s)
Gedenktafel
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv
Das zum Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) gehörende Archiv Ernst Schmidt ist aus einer privaten Initiative des Stadthistorikers Dr. Ernst Schmidt (1924–2009) entstanden, dessen zeitgeschichtliche Sammlung und Forschung die NS-Erinnerungskultur in Essen begründet hat. Das Archiv wird durch das HdEG zu einem Erinnerungsort für alle Essener NS-Opfer aufgebaut und ist zentrale Anlaufstelle für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus in Essen. Neben dem Archiv, das eine der bedeutendsten zeitgeschichtlichen Sammlungen der Bundesrepublik darstellt, umfasst das Erbe von Ernst Schmidt auch den 1985 von ihm ins Leben gerufenen Denkmalpfad „Essen erinnert“. Der heute vom HdEG betreute Denkmalpfad erinnert an mittlerweile mehr als 80 Orten im gesamten Stadtgebiet vornehmlich an Terror, Verfolgung und Widerstand in Essen unter nationalsozialistischer Herrschaft. Zu den Erinnerungsorten des Denkmalpfads zählen auch die zwei Essener Außenlager des KZ Buchenwald: das Außenlager Schwarze Poth im Stadtkern und das Außenlager Humboldtstraße im Stadtteil Fulerum.
Die Geschichte des öffentlichen Gedenkens an beide Außenlager setzte im Vorfeld der Einrichtung der Alten Synagoge als Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Essen 1980 ein. Als die Lokalpresse während der Vorbereitung der dort gezeigten Dauerausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933–1945“ von KZ-Außenlagern berichtete, wurde deren Existenz in der Essener Bevölkerung zunächst teilweise angezweifelt. Doch dank zahlreicher Zeitzeugengespräche und Nachforschungen über die Botschaften verschiedener Staaten, über das Internationale Rote Kreuz in Genf und den Internationalen Suchdienst in Arolsen sowie in diversen Archiven ließ sich die Geschichte der Außenlager unwiderlegbar dokumentieren. Am 28. Oktober 1981 fand in der Alten Synagoge eine Veranstaltung unter dem Titel „Ortstermin“ statt. An diesem Termin wurde der Öffentlichkeit „Eine Dokumentation zu KZ-Außenlagern in Essen“ vorgestellt. Maßgeblich beteiligt an der Recherche und Konzeption waren Ernst Schmidt, Benno Reicher, Angela Genger und Ulrich Herbert.
Zur Erinnerung an das KZ-Außenlager Humboldtstraße stellte die Friedensinitiative Haarzopf/Fulerum 1986 an der Humboldtstraße Ecke Regenbogenstraße eine selbst gestaltete Gedenktafel auf, deren Text unter anderem Ernst Schmidt erarbeitet hatte. 1989 wurde an diesem Standort eine städtische Hinweistafel des Denkmalpfads „Essen erinnert“ errichtet, die auch über die Flucht sechs jüdischer Frauen während eines alliierten Flugangriffs wenige Tage vor der Räumung des Lagers informiert. Zu ihren Essener Fluchthelfern gehörten der Krupp-Arbeiter Gerhard Marquardt (1904–1983) und der Lebensmittelhändler Fritz Niermann (1898–1976). Am Haus Markscheide 50 im Stadtteil Altendorf, wo Niermann vier der aus dem Lager geflohenen Jüdinnen bis zur Ankunft der US-Armee in seiner Wohnung versteckt gehalten hatte, wurde 2002 ebenfalls eine städtische Hinweistafel des Denkmalpfads „Essen erinnert“ angebracht, die über Niermanns und Marquarts Verdienste sowie deren Auszeichnung als „Gerechte unter den Völkern“ informiert. Niermanns ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus wurde 2011 abgerissen und das Grundstück von einem neuen Wohnquartier am künstlich angelegten Niederfeldsee überbaut. In dem Quartier wurden 2013 ein Gerhard-Marquardt -Platz und ein Fritz-Niermann-Platz eingeweiht. Die Hinweistafel erhielt 2014 auf einer Grünfläche im Umfeld des ehemaligen Hauses einen neuen Standort.
Autor*in: Dr. Jonas Hübner (HdEG)
Kontakt
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Ernst-Schmidt-Platz 1 45128 Essen
Hinweise zum Besuch
Öffnungszeiten des Lesesaals und der Dauerausstellung:
Dienstag und Mittwoch von 9:00 Uhr bis 15:30 Uhr
Donnerstag von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Weiterführende Informationen
Sammlungsbestand „Slg. 6013 Außenlager KZ Buchenwald - Humboldtstraße“ im Archiv Ernst Schmidt (Permanentlink zum Bestand in der HdEG-Archivdatenbank): stadtarchiv.essen.de
Kontakt zum Förderverein Buchenwald
Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:
Förderverein Buchenwald
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