Essen (Schwarze Poth)

Ende 1943 waren große Teile der Essener Innenstadt durch alliierte Luftangriffe zerstört. Zur Räumung von Trümmern und Beseitigung von Blindgängern richtete die SS Mitte Dezember 1943 ein Männeraußenlager, betrieben durch das SS-eigene Unternehmen Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt) ein. Ab Mai 1944 stieg die Belegung auf 150 Häftlinge an, die gut einsehbar von der Essener Zivilbevölkerung in einem Lager inmitten der Innenstadt untergebracht wurden. Neun Todesfälle sind dokumentiert. Mitte März 1945 wurde das Lager aufgelöst. Die verbliebenen Frauen und Männer der beiden Essener Außenlager sowie der Außenlager in Bochum wurden zusammen in das Hauptlager Buchenwald deportiert.

Historische Situation

Gegründet

13. Dezember 1943

Aufgelöst

17. März 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

150

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Gedenktafel

Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Das zum Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv (HdEG) gehörende Archiv Ernst Schmidt ist aus einer privaten Initiative des Stadthistorikers Dr. Ernst Schmidt (1924–2009) entstanden, dessen zeitgeschichtliche Sammlung und Forschung die NS-Erinnerungskultur in Essen begründet hat. Das Archiv wird durch das HdEG zu einem Erinnerungsort für alle Essener NS-Opfer aufgebaut und ist zentrale Anlaufstelle für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus in Essen. Neben dem Archiv, das eine der bedeutendsten zeitgeschichtlichen Sammlungen der Bundesrepublik darstellt, umfasst das Erbe von Ernst Schmidt auch den 1985 von ihm ins Leben gerufenen Denkmalpfad „Essen erinnert“. Der heute vom HdEG betreute Denkmalpfad erinnert an mittlerweile mehr als 80 Orten im gesamten Stadtgebiet vornehmlich an Terror, Verfolgung und Widerstand in Essen unter nationalsozialistischer Herrschaft. Zu den Erinnerungsorten des Denkmalpfads zählen auch die zwei Essener Außenlager des KZ Buchenwald: das Außenlager Schwarze Poth im Stadtkern und das Außenlager Humboldtstraße im Stadtteil Fulerum.

Die Geschichte des öffentlichen Gedenkens an beide Außenlager setzte im Vorfeld der Einrichtung der Alten Synagoge als Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Essen 1980 ein. Als die Lokalpresse während der Vorbereitung der dort gezeigten Dauerausstellung „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933–1945“ von KZ-Außenlagern berichtete, wurde deren Existenz in der Essener Bevölkerung zunächst teilweise angezweifelt. Doch dank zahlreicher Zeitzeugengespräche und Nachforschungen über die Botschaften verschiedener Staaten, über das Internationale Rote Kreuz in Genf und den Internationalen Suchdienst in Arolsen sowie in diversen Archiven ließ sich die Geschichte der Außenlager unwiderlegbar dokumentieren. Am 28. Oktober 1981 fand in der Alten Synagoge eine Veranstaltung unter dem Titel „Ortstermin“ statt. An diesem Termin wurde der Öffentlichkeit „Eine Dokumentation zu KZ-Außenlagern in Essen“ vorgestellt. Maßgeblich beteiligt an der Recherche und Konzeption waren Ernst Schmidt, Benno Reicher, Angela Genger und Ulrich Herbert.

Zur Erinnerung an das KZ-Außenlager Schwarze Poth schufen die Künstlerin Astrid Bartels (1936–2023) und der Architekt Werner Ruhnau (1922–2015) im Rahmen der Ausstellung „BauKunst in Essen“ anlässlich des 1150-jährigen Jubiläums von Stadt und Stift Essen 2002 die Kunstinstallation „Stadtwunde“. Nach Recherchen und Gesprächen mit Ernst Schmidt fiel die Standortwahl für das zunächst temporär angelegte Kunstwerk auf den Treppenabgang Porschekanzel/Porscheplatz unterhalb der Rathaus-Galerie. Ergänzt wurde die Installation um eine Gedenktafel mit einem von Ernst Schmidt inspirierten Text, der suggeriert, dass sich die SS-Lagerkommandantur am Ort der „Stadtwunde“ befunden habe – was inzwischen als widerlegt gilt. 2011 führten Baumaßnahmen unter anderem zur Abschließung der zuvor begehbaren Installation, deren Erscheinungsbild infolgedessen stark verändert wurde. Als Treffpunkt der Obdachlosen- und Drogenszene entwickelte sich das Umfeld der „Stadtwunde“ zu einem innerstädtischen Angstraum. Aufgrund fortwährender Verunreinigung und Vandalismus befand die Stadt Essen die Situation eines Erinnerungsortes als unwürdig und beschloss 2025 den Rückbau des Kunstwerks. Eine 2026 errichtete städtische Hinweistafel des Denkmalpfads „Essen erinnert“ informiert künftig über das KZ-Außenlager Schwarze Poth.

Autor*in: Dr. Jonas Hübner (HdEG)

Kontakt

Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Ernst-Schmidt-Platz 1 45128 Essen

0201 88 41300 hdeg@essen.de

Hinweise zum Besuch

Öffnungszeiten des Lesesaals und der Dauerausstellung:

Dienstag und Mittwoch von 9:00 Uhr bis 15:30 Uhr

Donnerstag von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Aktuelle Dokumente

Informationstafel am ehem. KZ-Außenlager Standort Schwarze Poth, 2026 © Jonas Hübner (HdEG)

Weiterführende Informationen

Sammlungsbestand „Slg. 6012 Außenlager KZ Buchenwald - Schwarze Poth“ im Archiv Ernst Schmidt (Permanentlink zum Bestand in der HdEG-Archivdatenbank): stadtarchiv.essen.de

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