Langenstein-Zwieberge

Ziel des im April 1944 begonnenen Projektes „Malachit“ war die Verlagerung von Teilen der Rüstungsproduktion, u. a. für den Junkerkonzern, in die Thekenberge bei Halberstadt. Hierfür richtete die SS ein Männeraußenlager ein, mit einer Höchstbelegung von über 5.000 Gefangenen. In den zwölf Monaten des Bestehens durchliefen rund 7.000 Häftlinge das Lager. Die unterirdischen Produktionsanlagen wurden nie in Betrieb genommen. Über 1.800 Männer kamen vor Ort ums Leben. Weitere Todkranke wurden zurück in das Hauptlager Buchenwald gebracht. Im April 1945 trieb die SS mehrere Tausend noch gehfähige Häftlinge auf Todesmärsche. Wie viele Menschen unterwegs flohen oder ermordet wurden, ist nicht bekannt. 1.400 sterbenskranke Menschen ließ die SS im Außenlager zurück, wo sie am 13. April 1945 durch die US-Armee befreit wurden und anschließend notversorgt wurden.

Historische Situation

Gegründet

21. April 1944

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

7.000

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Ausstellung, Gedenktafel, Informationstafel, Mahnmal

Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge

Die Gedenkstätte erinnert an die Häftlinge aus 23 Ländern des KZ-Außenlagers Langenstein-Zwieberge. Sie ist ein internationaler Ort des Erinnerns, der politischen Bildung und der historischen Forschung.

Langenstein-Zwieberge wurde im April 1944 als Außenlager des KZ Buchenwald errichtet. Ziel war der Bau eines rund 13 km langen Stollensystems (ca. 70.000 m²) für die Flugzeugproduktion der Junkerswerke. Das Bauprojekt wurde im Jägerstab beschlossen; die Bauleitung wurde dem SS-Sonderstab B2 übertragen. Es trug die Decknamen „B2“ bzw. „Malachit“. Angeleitet von der SS-Bauleitung und dem von ihr beauftragten Architekturbüro Heese planten und bauten zahlreiche privatwirtschaftliche Firmen die Stollenanlage, zugehörige Infrastruktur über Tage und das Lager „Zwieberge“.

Die SS stellte den Firmen Häftlinge als Zwangsarbeiter zu festen Tagessätzen zur Verfügung. Die Arbeitsbedingungen waren extrem: Schichten von 8 oder 12 Stunden ohne Pausen, fehlender Arbeitsschutz, häufige Unfälle. Misshandlungen durch Aufseher und Vorarbeiter waren an der Tagesordnung. Hinzu kamen die langen Märsche vom Häftlingslager zu den Baustellen und stundenlange Appelle. Die körperliche Auszehrung und Unfälle führten zu zahlreichen Todesfällen: mindestens 175 Häftlinge starben bis Ende 1944.

Langenstein-Zwieberge war im Jahr 1944 in erster Linie ein Arbeitslager. Im Winter 1945 wurde es zum Sterbelager: „arbeitsunfähige“ Häftlinge aus anderen Außenlagern Buchenwalds, aus Sachsenhausen und Häftlinge aus den geräumten Lagerkomplexen Auschwitz und Groß-Rosen wurden hierher verlegt. Gleichzeitig reduzierte die SS die Lebensmittelversorgung drastisch, ließ die Häftlinge aber unvermindert schwerste Zwangsarbeit verrichten. Die Folge war eine explodierende Todesrate: von Januar bis April 1945 starben 1.565 Häftlinge. Über 900 von ihnen sind in Massengräbern in der Gedenkstätte bestattet.

Am 9. April 1945 wurden 3.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch gezwungen, den nur etwa 500 überlebten. Am 12. April 1945 befreiten US-Truppen das Lager, in dem sich noch etwa 1.400 stark unterernährte und erkrankte Überlebende befanden. 1.000 von ihnen wurden binnen weniger Tage in ein Feldlazarett gebracht; etwa 70 von ihnen konnten nicht gerettet werden.

Seit Juli 1945 befand sich Langenstein-Zwieberge in der SBZ / DDR. 1949 wurden die Massengräber gestaltet; die Einweihung am 11.9.1949 gilt als Gründungstag der Gedenkstätte. Jährliche Gedenkfeiern fanden im September statt. Ende der 1960er wurde die Gedenkstätte umgestaltet, die Massengräber zum Aufmarschplatz für Massenveranstaltungen, Langenstein-Zwieberge zur Mahn- und Gedenkstätte mit entsprechendem Personal. 1976 wurde das noch heute stehende Ausstellungsgebäude errichtet. Der Stollen war nicht Teil der Gedenkstätte. Ab Ende der Siebziger wurde er militärisch genutzt und damit Sperrgebiet.

Seit 2007 gehört die Gedenkstätte zur Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Ab 2011 wurden die Massengräber neu gestaltet; Namentafeln ermöglichen nun ein individuelles Gedenken. Die Stollenanlage ist seit dem Ende der militärischen Nutzung 1994 in Privatbesitz. Seit 2005 ist ein 120 m langer Abschnitt für Besucher der Gedenkstätte zugänglich

Autor*in: Gero Fedtke

Kontakt

Vor den Zwiebergen 1 38895 Halberstadt OT Langenstein

03941 567326 info-langenstein@erinnern.org gedenkstaette-langenstein.sachsen-anhalt.de

Hinweise zum Besuch

Freigelände

Das ehemalige Lagergelände kann ohne Voranmeldung tagsüber besichtigt werden.

Dauerausstellung im Gedenkstättengebäude

Dienstag bis Freitag von 09:00 bis 15:30 Uhr

April bis Oktober, jedes letzte Wochenende im Monat von 14:00 bis 17:00 Uhr

Stollenabschnitt

April bis Oktober, jedes letzte Wochenende im Monat von 14:00 bis 17:00 Uhr

Aktuelles unter https://gedenkstaette-langenstein.sachsen-anhalt.de/kontakt/oeffnungszeiten

Aktuelle Dokumente

Der Stollen in dem Thekenberge, 2020 © Kai Langer

Weiterführende Informationen

https://gedenkstaette-langenstein.sachsen-anhalt.de/angebote

Termine

Die Gedenkstätte bietet Projekttage für Schulen an. Im Mittelpunkt steht die eigenständige „Spurensuche am historischen Ort“ mit der Methode „Geo-Caching“. Für Gruppen gibt es verschiedene Rundgangs- und Bildungsformate. Bitte kontaktieren sie die Gedenkstätte: info-langenstein@erinnern.org

Zentrale Gedenkveranstaltung sind jährlich im April die „Tage der Begegnung“. An ihnen nehmen Angehörige ehemaliger Häftlinge aus der internationalen Gruppe der 2. Generation teil.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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