Leau (Männer)

Im Männeraußenlager Leau bei Plömnitz bei Bernburg an der Saale mussten ab April 1944 bis zu 1.486 Häftlinge für die Allgemeine Transportanlagen GmbH (kurz ATG) die Produktion von Flugzeugen in stillgelegten Steinsalzschächten vorbereiten. Untergebracht waren sie zeitweise unter schlimmsten hygienischen Bedingungen unter Tage in 400 Meter Tiefe. Bis Ende März starben vor Ort mindestens 343 Männer, was knapp ein Viertel der Lagerbelegung ausmacht. Am 12. April 1945 wurden die Gefangenen auf einen Todesmarsch getrieben. Etwa 200 Todkranke ließ die SS im Außenlager Leau zurück. Die Marschkolonne und die im Außenlager Zurückgelassenen wurden am 14. April von der US-Armee befreit.

Historische Situation

Gegründet

22. August 1944

Aufgelöst

14. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.486

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Informationstafel, Mahnmal

Anmerkungen zum Standort

Einige ehemalige Baracken, die massiv aus Ziegelbausteinen errichtet wurden, stehen noch heute und sind zu Einfamilienhäusern umgebaut worden. Die Schächte wurden in den 1970er Jahren geflutet. Auf dem Friedhof in Leau gibt es einen zu DDR-Zeiten errichteten Gedenkstein („Sowjetisches Ehrenmal“) für die Opfer des Außenlagers. Am ehemaligen Standort erinnert heute nichts mehr an die Existenz des Außenlagers.

Verein für Anhaltische Landeskunde e. V.

Der Gedenkort für die KZ-Häftlinge im Außenlager Leau (heute Ortsteil der Stadt Bernburg (Saale)) erhielt 2025/26 wesentliche Ergänzungen durch eine zweiseitig bedruckte Informationsstele und die Anpflanzung von Bäumen auf dem Weg zum Mahnmal aus dem Jahr 1989, der bislang über eine ungestaltete Wiese führte. Die Initiative hierfür ging von Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Ort aus, die Umsetzung erfolgte durch die Stadt Bernburg (Saale).

Diese Wiese ist Teil des Leauer Friedhofes. Als die ersten Toten des KZ 1944 hier bestattet wurden, regte sich Widerstand vom Pfarrer des Ortes. Die Leichen wurden daraufhin auf einem Bruchfeld (Bergbaufolgelandschaft) zwischen Preußlitz und Wiendorf verscharrt. Sofort nach der Befreiung des Lagers durch die US-Armee mussten Männer aus umliegenden Dörfern 358 Leichen dort ausgraben, auf den Friedhof bringen und in Einzelgräbern beisetzen. Die sowjetische Besatzungsmacht ließ die Leichen 1947 wieder ausgraben, um sie in Bernburg auf dem Martinsplatz in einem Massengrab unter einer meterdicken Betonschicht beizusetzen.

Ein erster Gedenkstein mit der Inschrift „MEMENTO“ wurde 1956 auf dieser Fläche aufgestellt. 1965 wurde Leau weithin bekannt, als in der DDR Dokumente veröffentlicht wurden, die Bundespräsident Heinrich Lübke als „KZ-Baumeister“ brandmarken sollten. Tatsächlich war er in der „Baugruppe Schlempp“ am KZ-Bau in Leau und dem Zwangsarbeitslager im benachbarten Baalberge beteiligt. Am 8. Mai 1965 wurde auf der Wiese eine Massendemonstration mit Tausenden Teilnehmern organisiert.

1989 wurde ein neuer Stein mit der gleichen Inschrift wie der vorhergehende gesetzt und mit einer Mauer hintersetzt, auf der eine noch heute lesbare Gedenktafel aus dieser Zeit angebracht ist. Die Leauer Einwohnerschaft war mehrheitlich dagegen, dass der alte Gedenkstein abtransportiert werden sollte. Dieser liegt heute gut sichtbar am Rand der Wiese.

Für den Inhalt der Informationsstele zeichnet Joachim Grossert vom Verein für Anhaltische Landeskunde e.V. verantwortlich, der sich umfassend mit der Erinnerungskultur in der Region Bernburg beschäftigt.

Autor*in: Joachim Grossert

Kontakt

Lange Straße 3 06406 Bernburg (Saale)

0162 2807941 joachim.grossert@gmx.de

Hinweise zum Besuch

Gewünschte Führungen bitte vorab anmelden

Aktuelle Dokumente

Rundgang durch die „Leauer Siedlung“, dem Gelände des früheren KZ-Außenlagers; mit Mikro: Aktivistin Grit Mittelstraß, 2025 © Joachim Hennecke
nach der Enthüllung der Informationstafel, v.l. 1. und 4. Gäste aus Frankreich, 2. Joachim Grossert, 3. Aktivistin Grit Mittelstraß, 5. Oberbürgermeisterin Dr. Silvia Ristow, 2025 © Joachim Hennecke
Kranzniederlegung am Gedenkort mit OB Dr. Ristow, 2025 © Joachim Hennecke
Mit 83 erstmals am Ort des Leidens und Sterbens ihres Vaters. Maryse de Kerpel, geb. Lecomte zeigt auf den Schriftzug von Jaques Lecomte. Er starb, als sie 2 Jahre alt war, 2026 © Joachim Grossert

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