Leipzig-Schönau

Das Frauenaußenlager Schönau wurde im August 1944 mit 500 ungarischen Jüdinnen eingerichtet, die fortan elf Stunden täglich in der Flugzeugproduktion bei Allgemeine Transportanlagen GmbH (ATG) Zwangsarbeit leisten mussten. Mehr als die Hälfte von ihnen war zwischen 15 und 25 Jahre alt. Fünf Frauen deportierte die SS als „nicht einsatzfähig“ zurück in das KZ Stutthof sowie vier Schwangere beziehungsweise Frauen mit Neugeborenen in das KZ Bergen-Berlsen. Mitte Februar wurden 180 Frauen in das Frauenaußenlager Leau überstellt. Mitte April 1945 wurden die verbliebenen Häftlinge sowie weitere 789 Frauen aus dem Außenlager Hessisch Lichtenau auf einen Todesmarsch in Richtung Osten getrieben.

Historische Situation

Gegründet

22. August 1944

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

500

Gedenkzeichen

Anmerkungen zum Standort

Am ehemaligen Standort erinnert heute nichts mehr an die Existenz des Außenlagers.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erinnert am authentischen Ort an die Opfer, das Unrecht und die Geschichte des NS-Zwangsarbeitseinsatzes im Raum Leipzig und dessen Folgen. Am Standort der HASAG, dem ehemals größten Rüstungsbetrieb Sachsens, erinnert sie exemplarisch an den Arbeitseinsatz tausender ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkriegs im städtischen Raum.

Die Gedenkstätte ist Ansprechpartnerin und Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Angehörige. Sie nimmt Anfragen nach ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und Orten der NS-Zwangsarbeit entgegen, bearbeitet diese und erteilt Auskünfte.

Die Gedenkstätte sammelt Dokumente ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Reproduktionen aus anderen Archiven. Die Sammlungen stellen eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung von Anfragen und für die wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung von NS-Zwangsarbeit in Leipzig dar. Die Gedenkstätte unternimmt Nachforschungen in anderen Archiven und unterstützt Schülerinnen und Schüler, Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Forschungen.

Mit einer Dauerausstellung und Führungen informiert die Gedenkstätte vor Ort über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Leipzig und bei der HASAG. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, bestehend aus Stadtteilrundgängen, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen an verschiedenen Orten in Leipzig, möchte die Gedenkstätte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt Leipzig während der Zeit des Nationalsozialismus anregen, fördern und vertiefen.

Mit ihren Bildungsangeboten möchte die Gedenkstätte Interessierte für das während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht sensibilisieren, ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern sowie Reflexionen in Bezug auf die Gegenwart und die Auseinandersetzung mit heutigen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Antiromaismus und anderen menschenverachtenden Einstellungen anregen.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig wurde 2001 eröffnet. Sie war deutschlandweit die erste Einrichtung, die sich explizit dem Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus widmete.

Bereits zu DDR-Zeiten hatte es von Seiten ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Initiativen zum Aufbau einer Gedenkstätte gegeben. Doch erst nach 1990 verstärkten sich die Bestrebungen. Den Anstoß zur Errichtung einer Gedenkstätte am authentischen Ort gab letztlich der Besuch einer Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen bei der Geschäftsleitung des Umweltforschungszentrums. Vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Ende der 1990er Jahre konnte der Förderverein – unter Vorsitz von Frau Charlotte Zeitschel – mit der Unterstützung durch das Umweltforschungszentrum, die Gedenkstätte Buchenwald sowie viele engagierte Einzelpersonen den Aufbau einer Gedenkstätte vorantreiben.

Im Mai 2000 bekannte sich die Stadt Leipzig in einer Ratsresolution zu ihrer historischen Verantwortung und verabschiedete ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dieses sah neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung die Einrichtung einer Gedenkstätte vor. Am 12. Dezember 2001 wurde die Gedenkstätte im Beisein ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter feierlich eröffnet.

Autor*in: Anne Friebel

Kontakt

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig Permoserstraße 15 04318 Leipzig

0341 2352075 info@zwangsarbeit-in-leipzig.de

Hinweise zum Besuch

Das KZ-Außenlager Schönau befand sich zwischen den Bäumen der Lindenallee (heute Parkallee).

2014 wurde auf Initiative der Freien Schule Leipzig, der Gruppe „Grünau hat Geschichte“ und des Bunds der Antifaschisten Leipzig e. V. (BdA Leipzig e. V.) eine Gedenktafel errichtet.

Aktuelle Dokumente

Gedenktafel in der Parkallee, 2023 © GfZL

Termine

Mehrmals jährlich finden Ortsbegehungen auf dem ehemaligen Außenlager-Gelände statt. Informationen zu den Terminen finden sich auf der Website der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/veranstaltungen

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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