Leipzig-Thekla

Für die Erla-Maschinenwerke GmbH richtete die SS im März 1943 das Männeraußenlager „Emil“ an drei Standorten in Abtnaundorf, in Heiterblick und in Thekla ein. Mit 1.600 Häftlingen erreichte das Außenlager im Februar 1944 seine Höchstbelegung. In dem fast zweijährigen Bestehen durchliefen insgesamt mindestens 2.802 Männer die drei Standorte. Sie mussten täglich zwölf Stunden in der Flugzeugproduktion arbeiten. Mindestens 84 Männer kamen vor Ort ums Leben. Insgesamt mindestens 330 Männer wurden zurück in das Stammlager Buchenwald als nicht mehr arbeitsfähig überstellt. Im April 1945 trieb die SS die über 1.400 noch gehfähigen Männer auf einen Todesmarsch quer durch Sachsen. 300 nicht mehr marschfähige Männer blieben im Lager Abtnaundorf. An diesen zurückgelassenen Häftlingen verübten Angehörige der Gestapo, der SS und des Volkssturmes ein Massaker. Die Zahl der Ermordeten ist nicht bekannt. Die menschlichen Überreste von 84 Männern wurden später beigesetzt.

Historische Situation

Gegründet

6. März 1943

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

1.600

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Gedenktafel, Informationstafel, Mahnmal

Anmerkungen zum Standort

Schon im Januar 1946 wurde an der Theklaer Straße provisorisch ein Denkmal errichtet, das an die Opfer des „Massakers von Abtnaundorf“ erinnerte. 1957 wurde der Grundstein für das heutige Mahnmal gelegt, das sich etwas abseits des früheren KZ-Außenlagers befindet. Die Gestaltung übernahm der Bad Lausicker Bildhauer Gustav Tschech-Löffler. Am 13. September 1958 wurde es feierlich eingeweiht. In den Jahren 2015 bis 2018 hat die Stadt Leipzig den Gedenkort in Abtnaundorf umgestaltet und modernisiert. Gemeinsam mit anderen Leipziger Vereinen und Einzelpersonen hat die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig diesen Prozess initiiert und begleitet. So konnten 2017 zwei Informationstafeln vor dem Mahnmal eingeweiht werden, auf denen die Hintergründe des „Massakers von Abtnaundorf“ in sechs Sprachen beleuchtet werden. 2018 wurde auf dem Weg vor dem Obelisken eine künstlerische Installation eingeweiht – insgesamt 208 stählerne Stäbe, in die alle bekannten Namen und Daten der Opfer eingestanzt sind. Die Namen werden damit im öffentlichen Raum sichtbar gemacht, die Toten individualisiert. Bei den jährlichen Gedenkveranstaltungen werden die Opfer nun so symbolisch in die Mitte der Teilnehmenden genommen.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig erinnert am authentischen Ort an die Opfer, das Unrecht und die Geschichte des NS-Zwangsarbeitseinsatzes im Raum Leipzig und dessen Folgen. Am Standort der HASAG, dem ehemals größten Rüstungsbetrieb Sachsens, erinnert sie exemplarisch an den Arbeitseinsatz tausender ziviler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge während des Zweiten Weltkriegs im städtischen Raum.

Die Gedenkstätte ist Ansprechpartnerin und Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Angehörige. Sie nimmt Anfragen nach ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und Orten der NS-Zwangsarbeit entgegen, bearbeitet diese und erteilt Auskünfte.

Die Gedenkstätte sammelt Dokumente ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Reproduktionen aus anderen Archiven. Die Sammlungen stellen eine wichtige Grundlage für die Bearbeitung von Anfragen und für die wissenschaftliche Dokumentation und Erforschung von NS-Zwangsarbeit in Leipzig dar. Die Gedenkstätte unternimmt Nachforschungen in anderen Archiven und unterstützt Schülerinnen und Schüler, Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Forschungen.

Mit einer Dauerausstellung und Führungen informiert die Gedenkstätte vor Ort über die Geschichte von NS-Zwangsarbeit in Leipzig und bei der HASAG. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, bestehend aus Stadtteilrundgängen, Vorträgen, Lesungen und Filmvorführungen an verschiedenen Orten in Leipzig, möchte die Gedenkstätte die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt Leipzig während der Zeit des Nationalsozialismus anregen, fördern und vertiefen.

Mit ihren Bildungsangeboten möchte die Gedenkstätte Interessierte für das während der Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht sensibilisieren, ein kritisches Geschichtsbewusstsein fördern sowie Reflexionen in Bezug auf die Gegenwart und die Auseinandersetzung mit heutigen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Antiromaismus und anderen menschenverachtenden Einstellungen anregen.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig wurde 2001 eröffnet. Sie war deutschlandweit die erste Einrichtung, die sich explizit dem Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus widmete.

Bereits zu DDR-Zeiten hatte es von Seiten ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Initiativen zum Aufbau einer Gedenkstätte gegeben. Doch erst nach 1990 verstärkten sich die Bestrebungen. Den Anstoß zur Errichtung einer Gedenkstätte am authentischen Ort gab letztlich der Besuch einer Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiterinnen bei der Geschäftsleitung des Umweltforschungszentrums. Vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Ende der 1990er Jahre konnte der Förderverein – unter Vorsitz von Frau Charlotte Zeitschel – mit der Unterstützung durch das Umweltforschungszentrum, die Gedenkstätte Buchenwald sowie viele engagierte Einzelpersonen den Aufbau einer Gedenkstätte vorantreiben.

Im Mai 2000 bekannte sich die Stadt Leipzig in einer Ratsresolution zu ihrer historischen Verantwortung und verabschiedete ein Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Dieses sah neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung die Einrichtung einer Gedenkstätte vor. Am 12. Dezember 2001 wurde die Gedenkstätte im Beisein ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter feierlich eröffnet.

Autor*in: Anne Friebel

Kontakt

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig Permoserstraße 15 04318 Leipzig

0341 2352075 info@zwangsarbeit-in-leipzig.de

Hinweise zum Besuch

Das Mahnmal befindet sich an der Theklaer Straße / Ecke Heiterblickstraße und ist rund um die Uhr öffentlich zugänglich.

Aktuelle Dokumente

Mahnmal Abtnaundorf, 2014 © GfZL
Mahnmal Abtnaundorf nach Umgestaltung, 2022 © GfZL
Kunstinstallation am Mahnmal Abtnaundorf, 2022 © GfZL

Weiterführende Informationen

Website zum KZ-Außenlager, mit Informationen zum „Massaker von Abtnaundorf“ und Totenbuch, und zur Erinnerung nach 1945: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/mahnmal-abtnaundorf-1 18. April 1945 - Kriegsende und Massaker von Abtnaundorf. Ein Audiofeature der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (April 2020) https://www.mixcloud.com/GfZL/18-april-1945-kriegsende-und-massaker-von-abtnaundorf/ Virtuelle Ausstellung „Befreit in Leipzig 1945 - Das Kriegsende aus der Perspektive von Zwangsarbeiter:innen“ https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/befreit-in-leipzig-1945-1

Termine

Das Mahnmal ist der zentrale Gedenkort in Leipzig für die Opfer des Nationalsozialismus. Die städtische Gedenkveranstaltung zum 27. Januar findet hier statt. Am 18. April, dem Tag des Massakers von Abtnaundorf, organisiert die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung.

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

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