Osterode am Harz
Das Männeraußenlager Osterode wurde auf dem Gelände der Heber Maschinen- und Apparatefabrik (HEMAF) innerhalb eines bereits bestehenden Zwangsarbeiterlagers eingerichtet. Die ersten zehn der insgesamt etwa 400 Häftlinge trafen Ende September 1944 ein. Einen Monat später wurde das Außenlager dem KZ Mittelbau unterstellt. Am 5. April 1945 trieb die SS die Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Norden. Zwischen dem 9. und dem 13. April 1945 wurden die Überlebenden in der Gegend um Gifhorn und Salzwedel durch die US-Armee befreit.
Historische Situation
Gegründet
25. September 1944
Aufgelöst
28. Oktober 1944
Die ersten Häftlinge aus Buchenwald trafen vermutlich Ende September 1944 ein. Ende Oktober 1944 wurde das Außenlager dem KZ Mittelbau unterstellt, blieb organisatorisch jedoch eng an Buchenwald gebunden.
Häftlinge
Männerlager
Maximale Anzahl der Häftlinge
400
Gedenkzeichen
Art des/der Gedenkzeichen(s)
Ausstellung, Gedenktafel, Informationstafel
Anmerkungen zum Standort
Die Ausstellung befindet sich im Gedenk- und Informations-Pavillon Helmetalbahn (s. Eintrag zu Nüxei auf dieser Website). Zwischen Nüxei und Mackenrode ist ein 5 Kilometer langer Gedenkrundweg zur Helmetalbahn eingerichtet worden.
ArGe Spurensuche in der Südharzregion
Geschichtlicher Hintergrund
Der Südharz war unter der NS-Herrschaft spätestens ab 1943 zu einem Schwerpunkt der Rüstungsindustrie entwickelt worden. Als Folge entstand eine hohe Dichte an Zwangsarbeit in der Industrie sowie für Infrastrukturmaßnahmen. Am Beispiel des Landkreises Osterode lässt sich die Gesamtheit der Lagertypen von der Schutzhaft 1933 über Fremdarbeiterlager bis zu KZ-Außenlagern mit Vernichtung durch Arbeit in ihrer historischen Entwicklung ablesen. Ganz im Gegensatz dazu standen bis in die 1990er Jahre hinein im Landkreis Osterode das fast völlige Vergessen und Verdrängen von Ereignissen und Stätten, keine Tafeln, Steine, Dokumentationen, keine Erinnerungsarbeit.
Entstehen und Organisation
Aus einem Seminar der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung und der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora 1996 in Walkenried und einer dort gebildeten Arbeitsgruppe zu KZ-Außenlagern der III. SS-Baubrigade in vier Südharzgemeinden entstand im April 1997 die Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion. Sie war – ohne feste Mitgliedschaft – eine Vereinigung von etwa 40 Heimatforscherinnen und Heimatforschern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Südharzes in den Ländern Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und umfasst die drei Landkreise Osterode, Nordhausen und Sangerhausen. Die gemeinsame Arbeit wurde in vierteljährlichen Treffen strukturiert. Hinzu kamen Maßnahmen und Veröffentlichungen einzelner Mitglieder, Gruppen- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Errichtung von Gedenkeinrichtungen. Die ArGe ist am 12. April 2007 formell aufgelöst worden; Grund: Erledigung des Nachholbedarfs, insbes. im Landkreis Osterode am Harz
Aktivitäten
Die ArGe kooperierte eng mit der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, den Vereinen Spurensuche Goslar e. V. und Jugend für Dora e. V., den Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung der Südharzregion. Von Anfang an standen neben der Forschungstätigkeit die Errichtung von Stätten der Erinnerung, von Gedenksteinen und -tafeln, die die ArGe selbst vornimmt oder auf kommunaler Ebene initiiert und fachlich begleitet, ebenso im Vordergrund wie Veranstaltungen, insbesondere zum 27. Januar eines jeden Jahres als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Exkursionen, Veröffentlichungen, Ausstellungen und Vorträge. Bedeutenden Raum nimmt das Wegzeichenprojekt Westharz zur Dokumentation der drei Westharzer Todesmärsche vom April 1945 mitsamt der Errichtung von Gedenkstelen ein.
Autor*in: Dipl.-Geol. Firouz Vladi
Hinweise zum Besuch
Der Gedenkort Nüxei zur Helmetalbahn ist rund um die Uhr zugänglich.
Weiterführende Informationen
Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion und Spurensuche Harzregion e.V.: Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens, 2022 Vladi, Firouz et al.: Der Bau der Helmetalbahn. Ein Bericht von der Eisenbahngeschichte, den KZ-Außenlagern der SS-Baubrigaden, Zwangsarbeit im Südharz in den Jahren 1944-45 und den Evakuierungsmärschen im April 1945, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion, Duderstadt (Mecke) 2000 (unveränderte Zweitauflage 2021 ebendort). Die ehemaligen privat errichteten Webseiten www.spurensuchesuedharz.de und www.tm45.de existieren nicht mehr. Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Inhalte der früheren Seite mit zu übernehmen.
Kontakt zum Förderverein Buchenwald
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