Penig

Im Januar 1945 richtete die SS in Penig ein Frauenaußenlager mit 700 ungarischen Jüdinnen ein. Sie mussten für die Firma Max Gehrt Zwangsarbeit in der Flugzeugproduktion leisten. Mindestens 14 Frauen kamen vor Ort ums Leben. Wenige Tage vor der Räumung kamen weitere Gefangene des Frauenaußenlagers Abterode nach Penig. Mitte April 1945 mussten die Frauen zu Fuß nach Südosten in Richtung Tschechoslowakei marschieren. Die US-Armee befreite die meisten Frauen bei Litoměřice. Eine kleinere Gruppe wurde bis Theresienstadt verschleppt. 80 todkranke Frauen ließ die SS bei der Räumung von Penig zurück, wo sie von US-amerikanischen Truppen noch am selben Tag der Auflösung befreit wurden.

Historische Situation

Gegründet

10. Januar 1945

Aufgelöst

15. April 1945

Häftlinge

Frauenlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

700

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Ausstellung, Gedenktafel, Informationstafel, Mahnmal

Anmerkungen zum Standort

Auf dem Friedhof Langenleuba-Oberhain existiert ein Grab mit Häftlingen aus dem Außenlager. Eine ehemalige Baracke wird heute vom Reitverein genutzt. Seit 1967 steht ein Gedenkstein an der heutigen Reitsportanlage, mit der Inschrift: „Die Opfer mahnen. Außenlager des KZ Buchenwald 1942-1945“.

Bürger*inneninitiative Gesicht zeigen – Netzwerk für demokratisches Handeln

Die Geschichte des KZ-Außenlagers Penig wird seit Ende 2014 von der Bürger*inneninitiative Gesicht zeigen – Netzwerk für demokratisches Handeln weiter aufgearbeitet. In diesem Zusammenhang begann eine intensive Suche nach Überlebenden bzw. deren Nachkommen, nach Zeitzeug*innenaussagen und Dokumenten. Mit Hilfe der vorliegenden Häftlingsliste konnten zahlreiche Unterlagen gefunden werden.

Auf dieser Grundlage hat die Initiative 2017 und 2020 zwei Informationstafeln eingeweiht, die einerseits auf dem ehemaligen Lagergelände, andererseits am Standort des einstigen Max-Gehrt-Werkes errichtet wurden. Ergänzt werden diese um eine 2021 auf dem Friedhof Langenleuba-Oberhain aufgestellte Gedenktafel, auf der sich zehn Namen der insgesamt 14 im Lager verstorbenen sowie verscharrten und im September 1945 dorthin umgebetteten Frauen wiederfinden.

Zuvor besuchte 2016 der englische Schriftsteller George Szirtes auf Einladung der Initiative Penig. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs mit Schülerinnen und Schülern des Freien Gymnasiums Penig sowie eines öffentlichen Bürger*innenforums berichtete Szirtes über die Lebensgeschichte seiner Mutter Magda Nussbächer, die als junge Frau Zwangsarbeit in Penig leisten musste. 2019 hat er ihre Biografie in dem Buch „The Photographer at Sixteen“ zusammengefasst.

Die Bürger*inneninitiative führte zudem mit Schülerinnen und Schülern der örtlichen Schulen mehrfach Projekttage zur Geschichte des Lagers durch. Hierbei besichtigten Mitglieder der Initiative zusammen mit den Schülerinnen und Schülern u. a. das ehemalige Lagergelände.

2019 ist eine Homepage zur Lagergeschichte online gegangen, auf der auch pädagogisches Material für Bildungsveranstaltungen heruntergeladen werden kann. Zwei Jahre später veröffentlichte die Initiative die Broschüre „Oft haben wir Gras gegessen“, die sich ebenfalls mit der Geschichte des Lagers beschäftigt. 2025 ist anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Lagers eine 18 Tafeln umfassende Wanderausstellung zur Geschichte und Aufarbeitung des KZ-Außenlagers Penig eingeweiht worden, woran auch etliche Angehörige und Nachfahren der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus aller Welt teilgenommen haben. Hinzu kommen Zeitungsartikel, Internetbeiträge und regelmäßige Vorträge, mit denen der Anspruch umgesetzt werden soll, die Geschichte des KZ-Außenlagers Penig nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und an die 703 hier eingesperrten Mädchen und Frauen zu erinnern.

Um dem Vergessen des Lagers und der damit verbundenen Opfer entgegenzuwirken, wurde zuvor bereits 1948 ein Mahnmal auf dem Friedhof in Langenleuba-Oberhain errichtet, das an die 14 Frauen erinnert, die im Lager verstorben sind und hierher umgebettet wurden. 1967 wurde zudem ein Gedenkstein am ehemaligen Standort des Außenlagers eingeweiht. Seit 1957 griffen regionale wie auch einige überregionale Zeitungen der DDR gelegentlich die Geschichte des KZ-Außenlagers Penig auf.

Der in Langenleuba-Oberhain lebende Horst Junghanns griff das Thema des KZ-Außenlagers anschließend in den 1980er Jahren wieder auf. Hierbei nahm er Kontakt zu den ehemaligen Zwangsarbeiterinnen Rózsa Deutsch und Nora Stark auf, die 1981 und 1988 Penig besuchten.

Abgesehen von dem Engagement von Herrn Junghanns wurde es im Zeitraum der 1980er, 1990er und beginnenden 2000er Jahre auf politischer bzw. öffentlicher Ebene versäumt, sich mit der Geschichte des KZ-Außenlagers Penig auseinanderzusetzen und entsprechende Formen des Erinnerns und Gedenkens zu entwickeln.

Autor*in: Ringo Gründel und Jan Sobe

Kontakt

Bürger*inneninitiative Gesicht zeigen – Netzwerk für demokratisches Handeln

gesichtzeigen@gmx.de

Hinweise zum Besuch

Die Mahnmale sowie die Informations- und Gedenktafeln sind jederzeit frei zugänglich.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

 

Mahnmal und Informations- und Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Penig:

Reitsportanlage Langenleuba-Niedersteinbach / Zum Reitplatz / 09322 Penig

 

Informations- und Gedenktafel auf dem Standort des ehemaligen Max-Gehrt-Werkes:

Am Pfaffenbusch 24a / 09322 Penig (Die Tafel befindet sich ca. 50 Meter stadteinwärts neben der angegebenen Adresse.)

 

Mahnmal und Gedenktafel in Erinnerung an die im KZ-Außenlager Penig verstorbenen Frauen:

Friedhof Langenleuba-Oberhain / Kirchberg 4 / 09322 Penig

 

Führungen zum Standort des ehemaligen Max Gehrt-Werkes sowie zum Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Penig können kostenlos über die angegebene Kontaktmöglichkeit gebucht werden. Darüber hinaus kann ein 90-minütiger Vortrag zur Geschichte und Aufarbeitung des Lagers sowie zu ausgewählten Beispielbiografien ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kostenlos über die angegebene Kontaktmöglichkeit gebucht werden. Auch die 18 Tafeln umfassende Ausstellung zur Geschichte und Aufarbeitung des Lagers kann kostenlos über die angegebene Kontaktmöglichkeit ausgeliehen werden.

Weiterführende Informationen

Unter folgendem Link können kostenlos didaktische Hinweise sowie mehrere Arbeitsblätter zum Einsatz im Rahmen von Workshops oder Projekttagen heruntergeladen werden: erinnerungsort-penig.de/padagogisches-material/

Termine

September 2026: Geschichtswanderung

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

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