Schmiedebach („Laura“)

Das Männeraußenlager „Laura“ bei Lehesten im Thüringer Schiefergebirge wurde im September 1943 eingerichtet. Die über 1.200 Häftlinge mussten im Rüstungsbetrieb „Vorwerk Mitte“ Schwerstarbeit bei der Untertageverlagerung der Raketenproduktion leisten. Ca. 2.600 Männer durchliefen das Lager. Mindestens 538 von ihnen kamen ums Leben. Hunderte weitere Todkranke brachte die SS zurück in das Hauptlager Buchenwald sowie in das KZ Bergen-Belsen. Anfang April befanden sich noch etwa 650 Männer im Lager. Am 13. April 1945 wurden sie in Richtung Dachau deportiert. Erst am 30. April 1945 wurden sie bei München durch die US-Armee befreit.

Historische Situation

Gegründet

21. September 1943

Aufgelöst

13. April 1945

Häftlinge

Männerlager

Maximale Anzahl der Häftlinge

2.600

Gedenkzeichen

Art des/der Gedenkzeichen(s)

Ausstellung, Informationstafel, Mahnmal

Anmerkungen zum Standort

Seit 1956 erinnert ein Gedenkstein im Gelände des ehemaligen Lagers an die Opfer. Seit 1979 ist in der ehemaligen Häftlingsunterkunft eine Gedenkstätte mit musealer Ausstellung eingerichtet. Unmittelbar neben dem Gedenkstein befindet sich das Urnengrab des 2009 dort beigesetzten ehemaligen holländischen Laura-Häftlings Herman van Hasselt. Als einziges ehemaliges Außenlager des KZ Buchenwald ist das Lager Laura in seiner Gebäudesubstanz heute noch fast vollständig erhalten. Die Gedenkstätte befindet sich somit am authentischen Ort. Alle Gebäude sowie Gebäudefundamente stehen unter Denkmalschutz. Zudem sind zahlreiche Fundamente wichtiger Lagereinheiten erhalten. Auch Rekonstruktionen, u.a. von Bettgestellen, können besichtigt werden.

KZ-Gedenkstätte „Laura“

Die KZ-Gedenkstätte „Laura“ befindet sich im Thüringer Schiefergebirge, auf dem Gelände des ehemaligen, gleichnamigen „Außenkommandos“ des KZ Buchenwald. Etwa 2600 Männer aus 15 europäischen Nationen mussten hier zwischen September 1943 und April 1945 Zwangsarbeit für die deutsche Raketenrüstung leisten. Mehr als 500 von ihnen überlebten das Lager nicht.

Die KZ-Gedenkstätte „Laura“ befindet sich seit 1996 in Trägerschaft des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Der Landkreis tritt seit 2010 weiterhin als Eigentümer des in seiner Grundarchitektur weitestgehend erhaltenen ehemaligen Häftlingsbereichs auf und übernahm 2012 auch den Gedenkstättenbetrieb durch hauptamtliches Personal. In der Arbeit besteht enger Austausch insbesondere zum Förderverein Gedenkstätte Laura e. V., der das Personal ehrenamtlich unterstützt sowie etwa pädagogische Programme finanziell bezuschusst. Diese spezifische Konstellation im Spannungsfeld zwischen staatlicher Institutionalisierung und zivilgesellschaftlichem Engagement ist historisch gewachsen.

Als erstes Erinnerungszeichen gilt der 1956 aufgestellte Gedenkstein mit umgebendem Hain. Mit der Erforschung der Lagergeschichte begann ab Mitte der 1960er-Jahre die „AG Junge Historiker Wurzbach“, deren Verdienst insbesondere die Kontaktaufnahme und -pflege zu Überlebenden des Lagers im europäischen Ausland ist. Seit 1979 befand sich in einem abgetrennten Teil der ehemals als „Block 1“ genutzten großen Feldscheune eine im Sinne der SED-Geschichtspolitik überformte Ausstellung. Inzwischen im militärischen Sperrgebiet der DDR an der Grenze zu Bayern gelegen, oblag die Betreuung der Anlage und der Besucherinnen und Besucher den Eheleuten Heinz und Ruth Ludwig, die die ehemalige Küche des Lagers bewohnten. Der Zugang war nur über Sondergenehmigungen und Passierschein möglich. Nach der Auflösung der DDR und der Kreisreform ging die Liegenschaft in Privatbesitz über, bis nach Verhandlungen im Zuge eines Insolvenzverfahrens der Landkreis als Käufer auftrat, während die Betreuung zunächst weiterhin bei den Ludwigs und zwischenzeitlich beim Christlichen Jugenddorfwerk lag.

Mit der testamentarisch selbstverfügten Beisetzung von Herman van Hasselt, der das Lager als junger Mann überlebte und 2008 verstarb, ist der ehemalige Häftlingsbereich seit 2009 ein nicht mehr nur symbolischer, sondern auch realer Friedhof. Herman van Hasselt drückte damit die Aufarbeitung seines persönlichen Traumas und Selbstermächtigung über seine eigene Geschichte ebenso aus wie auch die Bedeutung und das Schutzbedürfnis der Erinnerung an das „Außenkommando Laura“ in der Gegenwart.

Autor*in: Patrick Metzler

Kontakt

KZ-Gedenkstätte „Laura“ Schmiedebach, Fröhliches Tal 07349 Lehesten

036653 264675 info@kz-gedenkstaette-laura.de www.kz-gedenkstaette-laura.de

Hinweise zum Besuch

Das Außengelände ist ganzjährig zugänglich. Die Besucherinformation und Ausstellung ist saisonal zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober geöffnet, immer Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17:30 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 17:30 Uhr. Außerhalb der Öffnungszeiten ist der Besuch auf Anfrage möglich. Bei Gruppen bitten wir grundsätzlich um Voranmeldung. Unser Personal bietet während der Öffnungszeiten bei Bedarf und auf Anfrage außerhalb der Öffnungszeiten unentgeltlich begleitete Rundgänge (45–90 Minuten) durch Gelände und Ausstellungsräume an.

ÖPNV-Anbindung per Rufbus und eingeschränkte Regelfahrpläne der KOMBUS über den Halt „Schmiedebach Waage“. Es stehen Besucherparkplätze direkt am Gelände zur Verfügung.

Förderverein Gedenkstätte Laura e.V.

Der Förderverein Gedenkstätte Laura wurde am 13. November 1998 im Beisein eines ehemaligen Häftlings des KZ-Außenlagers „Laura“, Henk Peper aus den Niederlanden, gegründet. Um eine breite Basis für die Arbeit der KZ-Gedenkstätte „Laura“ zu schaffen und bestehende Aktivitäten zu bündeln, fanden sich Privatpersonen aus Deutschland und den Niederlanden, darunter Zeitzeugen des KZ Laura, sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kommune, Kirche, Wirtschaft und politischen Parteien zusammen.

In der Satzung ist das Grundanliegen wie folgt formuliert:  § 3  Ziele und Zweck des Vereins

(1) Anliegen des Vereins ist die Förderung des Wirkens der KZ-Gedenkstätte “Laura” Schmiedebach, als historischer Lernort zu den Verbrechen des nationalsozialistischen Systems der Konzentrationslager und als Ort des Erinnerns und Gedenkens.

Weiterhin sieht der Verein seine Aufgabe in der Förderung der Gedenkstätte als Stätte nationaler und internationaler Begegnung.

(2) Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes sind:

- Begegnungen von ehemaligen Häftlingen, deren Angehörigen, Häftlingsorganisationen und jungen Menschen aus den vom Nazi-Terror betroffenen Ländern mit der Bevölkerung der Region, Vertretern kommunaler, wirtschaftlicher, politischer, religiöser Einrichtungen und besonders Schülern und Jugendlichen

- Teilnahme an und Unterstützung von Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen

- Projekte mit Schülerinnen und Schülern und Jugendlichen zur Erforschung und Vermittlung der historischen Vorgänge und deren kritischer Reflexion zur Herausbildung eines Geschichtsbewusstseins, das der Idee eines friedlichen und vereinten Europas entspricht

- Kontakte und Austausch mit Gedenkstätten, Initiativen und Organisationen, deren Anliegen die Aufarbeitung der Geschichte der Konzentrationslager und des Einsatzes von Häftlingen in der Rüstungswirtschaft ist

(3) Der Verein ist offen für eine Zusammenarbeit mit dem Träger der Gedenkstätte und anderen Kulturträgern und Vereinen der Region.

Neben ca. 30 persönlichen Mitgliedern, darunter auch Angehörige ehemaliger Häftlinge aus Belgien und den Niederlanden, tragen als juristische Personen die Stadt Lehesten, die Kirchgemeinden Schmiedebach, Lichtentanne, Probstzella und Lehesten, der Kreisverband die Linke Saalfeld-Rudolstadt, die Firma Debus sowie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum Gelingen der Vereinsarbeit bei.

Mehrere ehemalige Häftlinge aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen prägten über viele Jahre mit ihren Besuchen die Gedenkarbeit. Den Höhepunkt bildete der Wunsch des Niederländers Herman van Hasselt, nach seinem Tod in der Gedenkstätte beigesetzt zu werden. Diesem Wunsch konnte im September 2009 nachgekommen werden und somit hat die Gedenkstätte Laura als einzige KZ-Gedenkstätte in Deutschland offiziell eine Grabstätte eines ehemaligen Häftlings auf eigenen Wunsch nach vollendetem Leben in Freiheit.

Schwerpunkte der Arbeit

  • Gedenkveranstaltungen zu den Jahrestagen der Lagererrichtung am 21. September und der Evakuierung und Befreiung des Lagers am 13. April
  • Pflege der Kontakte zu Angehörigen ehemaliger Häftlinge und Betreuung bei deren Besuchen
  • Schulprojekte, einschließlich Erarbeitung der Materialien, Betreuung von Seminarfacharbeiten
  • Einbeziehung Jugendlicher in die Gestaltung von Gedenkfeiern
  • Mitgestaltung des Gottesdienstes am Volkstrauertag
  • Herstellung von filmischen Dokumentationen in Zusammenarbeit mit dem Filmstudio Sirius
  • Organisation von Filmvorführungen, thematischen Wanderungen und Vereinsfahrten
  • Teilnahme an Veranstaltungen der Gedenkstätte Buchenwald und bundesweiten Gedenkstättenseminaren

Aktuelle Dokumente

Gedenkstätte Laura.
Gedenkstätte Laura © Förderverein Buchenwald e.V.
Mahnmal an der Gedenkstätte Laura.
Mahnmal an der Gedenkstätte Laura © Förderverein Buchenwald e.V.
Schulprojekttag, 2026 © Förderverein Gedenkstätte Laura

Weiterführende Informationen

Die KZ-Gedenkstätte „Laura“ ist ein anerkannter Ort der außerschulischen Bildung in Thüringen. Auf Anfrage bieten wir modular aufgebaute Projekttage für Schulklassen und Seminargruppen an. Ausführlichere Informationen unter: kz-gedenkstaette-laura.de/Bildungsangebote/

Zum eigenständigen Besuch empfehlen wir die Nutzung des kostenfreien Mediaguide (in 9 Sprachversionen verfügbar), als Leihgerät vor Ort oder App-Download im Google Play Store oder für Apple-Geräte.

Zur Vor- und Nachbereitung empfehlen wir die beiden Kurzfilme nach dem Format „Memory Walk“ zur KZ-Gedenkstätte Laura unter: youtube.com/@lauramemorial

Termine

Der Landkreis als Träger- und Betreiber lädt regelmäßig gemeinsam mit dem Förderverein Gedenkstätte Laura e. V. zum Gedenken anlässlich der Jahrestage der Räumung und Befreiung des „Außenkommandos Laura“ Mitte April sowie der Einrichtung Ende September. Die genauen Termine werden stets mit wenigen Wochen Vorlauf bekannt gegeben.

16. September 2026, 19 Uhr, Vortrag von Patrick Metzler, „Zwangsarbeit im ‚Fröhlichen Tal‘. Das Lager ‚Laura‘ und die Raketenrüstung im Oertelsbruch bei Lehesten 1943–1945“, in der Vortragsreihe des Geschichts- und Museumsvereins Saalfeld e. V., Stadtmuseum im ehemaligen Franziskanerkloster, 07318 Saalfeld

Kontakt zum Förderverein Buchenwald

Für Fragen, Hinweise oder Ergänzungen wenden Sie sich bitte an:

Förderverein Buchenwald
Schwanseestraße 143
99427 Weimar

03643 747540
info@foerderverein-buchenwald.de

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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