Taucha (Frauen)
Im September 1944 richtete die SS im Auftrag der Hugo Schneider AG (HASAG) ein Frauenaußenlager in Taucha mit bis zu 1.358 Häftlingen ein. Die Frauen, darunter viele Sinti und Romnija, Jüdinnen sowie politische Gefangene, mussten in 12-Stunden-Schichten Kartuschehülsen und Granatmunition produzieren. Bis zur Auflösung des Lagers sind sechs Todesfälle belegt. Hunderte Schwerkranke wurden aus Taucha nach Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück oder Bergen-Belsen deportiert. Spätestens am 13. oder 14. April trieb die SS die verbliebenen Frauen und Männer der beiden Außenlager in Taucha auf einen Todesmarsch. 80 schwerkranke Menschen blieben in Taucha zurück. Nachdem sich der Volksturm am 18. April abgesetzt hatte, versteckten sich die Zurückgebliebenen in einem angrenzenden Wald, wo sie am folgenden Tag von der US-Armee befreit wurden.
Historische Situation
Gegründet
7. September 1944
Aufgelöst
18. April 1945
Schon seit 1940 setzte die HASAG in ihrem Werk in Taucha männliche und weibliche „Zwangsverpflichtete“ sowie Kriegsgefangene ein. Am 7. September 1944 trafen die ersten Häftlinge in einem eigens eingerichteten, mit Stacheldraht und Wachtürmen versehenen KZ-Außenlager ein.
Häftlinge
Frauenlager
Maximale Anzahl der Häftlinge
1.358
Gedenkzeichen
Anmerkungen zum Standort
1963 wurde in Taucha am „Kleinen Schöppenteich“ ein Ehrenmal für Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Opfer der Außenlager eingeweiht. 1985 entstanden zwei weitere Mahnmale für die in den Lagern Umgekommenen. Am ehemaligen Standort erinnert heute nichts mehr an die Existenz des Außenlagers.
SAfT e.V. - Solidarische Alternativen für Taucha
SAfT e. V. ist ein kleiner Verein, der sich seit 2019 für eine solidarische Gesellschaft und ein vielfältiges Miteinander in Taucha einsetzt. Er entstand auch als Reaktion auf eine zunehmende rechte Raumnahme und NS-verherrlichende Botschaften im Stadtbild von Taucha. Von Beginn an widmen sich die Aktiven auch dem Feld der lokalen Gedenk- und Erinnerungskultur. Dabei wurden immer wieder Anknüpfungspunkte an bereits existierende Formate und zu bereits Engagierten gesucht. Ein einschneidendes Erlebnis für schon länger in Taucha Engagierte war der Besuch Tauchas von einer kleinen Gruppe Überlebender im Jahr 1994, welche im KZ-Außenlager inhaftiert war.
Der Verein konnte mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wie Lesungen, Rundgängen und Präsentationen zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit stets ein interessiertes Publikum erreichen.
Durch das Engagement von SAfT e. V. wurde das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers als archäologisches Kulturdenkmal erfasst. Des Weiteren konnte mit Hilfe von Unterstützerinnen und Unterstützern Denkmalschutz für das ehemalige Gefolgschaftshaus des Tauchaer HASAG-Werkes erwirkt werden. Mit verschiedenen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern initiiert der Verein Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und sucht stets den Kontakt zu anderen lokal Engagierten. Daneben wird auch die öffentliche Diskussion von Erinnerungsformaten angestrebt. Aus dem Verein gab es beispielsweise einen Debattenbeitrag, der deutliche Kritik an der Verlegung der Stolperschwelle am Tauchaer Marktplatz formulierte.
Eine Radtour der Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig macht regelmäßig am ehemaligen KZ-Außenlager halt. Das Gelände diente zu DDR-Zeiten als Kohlelagerplatz und wurde nach 1990 mit einer Solaranlage bebaut.
Autor*in: Kristian Luda
Kontakt
SAfT e.V. - Solidarische Alternativen für Taucha Am Ärtzehaus 9 04425 Taucha
Weiterführende Informationen
NS-Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion: Virtuelle Rundgänge zur HASAG in Taucha
Kontakt zum Förderverein Buchenwald
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